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Geschichtliches

Am Sonntag nach Bartholomä, am 28. August 1757, wurde die Markgrafenkirche geweiht. Kurz zu­vor war der Bauherr Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Branden­burg-Ansbach gestorben. Von knapp 1000 Einwohnern Treuchtlingens waren rund 600 evangelisch. Bis zum Tag der Kirchenweihe war es ein langer Weg.

Die älteste Treuchtlinger Kirche ist die Lambertuskirche, im 9./10. Jahrhundert im Sied­lungskern von den Orts­her­­ren gegründet und ab dem 13. Jahrhundert als Pfarr­kirche überliefert. Die be­­ginnende Neuzeit brachte die Reforma­tion, Strei­­tigkeiten der jeweiligen Orts­herren und den Drei­ßigjährigen Krieg. 1548 wurde Treuchtlingen noch als „katholisch“ bezeichnet. Nach dem Augsburger Religions­frie­den 1555 setzte die Treuchtlinger Herr­schaft einen lu­the­rischen Pfarrer ein. Bis zum Beginn des dreißigjährigen Krieges diente die Lam­bertuskir­che dem „evangelischen Kult“. Gottfried Heinrich, evangelisch ge­tauft, trat zum katholischen Glauben über und stand als General Pappenheim im Dreißigjährigen Krieg auf kaiserlich-katholi­scher Seite. Von ihm wurde 1619 wieder ein katholischer Pfar­rer eingesetzt. Evangelische Treuchtlinger gingen trotz Verbots zu Gottes­diensten ins ansbach-bran­­den­bur­gi­sche Wettelsheim oder nach Dietfurt und Scham­bach in der Herrschaft Pappenheim.

Nach dem Friedensschluss 1648 und dem Tod Gottfried Heinrichs und sei­nes Sohnes Wolf Adam kam Treuchtlingen zur evangelischen Markgra­fschaft Brandenburg-Ansbach. Die Wieder­herstellung der Lambertuskirche verzögerte sich bis 1733/34. Glückli­cherweise gab es noch die Frühmess­kapelle Beatae Mariae Virginis, wohl aus dem 13. Jahr­hundert, erstmals erwähnt 1457. Auch sie war nach dem großen Krieg in er­bärm­­lichem Zustand. Den­­­noch wurde sie gelegentlich zu evangelischen Got­tes­dien­­sten benutzt. Der erste evangelische Pfarrer kam um 1700. Der Neubau einer Kirche für die wachsende evangelische Gemeinde des 18. Jahrhunderts wurde notwendig, Markgraf Carl Wilhelm Friedrich ließ ihn von seinem Landbaumeister Johann Gottfried Steingruber entwerfen. Der Mark­graf trug den größten Teil der Kosten, auch die Spen­den der Gemein­deglieder waren groß. 1762 beschädigte ein Blitz Turm, Dach und Orgel und tötet „des Schulmeisters Töchterlein“. Die Einglie­de­rung Frankens nach Bayern brachte 1803 das Recht zur freien Religionsausübung; 1808/1809 konstituierte sich die evangelische Landeskirche. Auch die Kon­fir­ma­­tion wurde eingeführt; in Treuchtlingen wurde sie erstmals Pfingsten 1808 gefeiert.

1893/95 wurde der Kirchbau für die gewachsene Zahl der Gemeindeglieder erweitert. 1917 holte man die Glocken vom Turm „ins Feld“. 1922 erhielt die Markgrafenkirche ein neues Geläut aus Eisen-Hart­gussglocken. Sie blieben 70 Jahre, bis 1992 drei gestiftete neue Bronzeglocken geweiht werden konnten. Selbstverständlich wurde die Kirche immer wieder renoviert und restauriert, letztmals wurde sie am 5. Mai 2002 feierlich wieder dem gottesdienstlichen Gebrauch über­geben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg litt Treuchtlingen unter den Folgen des Luftangriffs, zudem waren viele Heimatlose, Flüchtlinge und Vertriebene in der Stadt. Die Kirchengemeinde richtete eine Volksküche im „Vereinshaus“ (dem späteren Gemeindehaus) ein, für Kriegsversehrte eine Werk­statt, und auch die Basis für das spätere Diakonische Werk der Dekanate wurde damals gelegt. Das Evangelische Siedungswerk sorgte für den Bau von Wohnungen, und 1952 wurden besonders den Buchenländern das Wohnbau­gebiet auf dem Patrich zugewiesen. So lebten Ende der 1950-er Jahre rund 500 Gemeindeglieder westlich der Bahnlinie. Die Pläne für ein Gemeindezentrum an der Wet­telsheimer Straße zerstoben, und als Provisorium bis zu einem Massivbau wurde ein „Montage-Ge­meindehaus“ am Patrich selbst aufgestellt. Am 28. Juli 1963 war die Einweihung. Für die Innenein­richtung hatten überwiegend die Familien am Patrich gesorgt. Das Provisorium hielt sich 47 Jahre; am 25. Oktober 2010 wurde der Kirchbau „entwidmet“. Am 1. Dezember 2013 (1. Advent) wurde das Familienzentrum mit kleiner Kirche am Patrich feierlich durch Herrn Regionalbischof Prof. Dr. Stefan Ark Nitsche eingeweiht.