Eine gute Nachricht

Pfarrerin Jana Menke und Pfarrer Bastian Müller mit einer guten Nachricht für uns.

Eine gute Nachricht – Nr. 15: Du meine Seele singe

Eine gute Nachricht – Nr. 15: Du meine Seele singe

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Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön. Musik bewegt uns: der strahlende Klang der Orgel, der Gutelaunesong aus dem Radio, das Mut machende Pfeifen im Dunkeln, oder eben das Wochenlied von Paul Gerhard als Choral in der Kirche.

Musik bewegt uns und am allerschönsten ist das Musizieren in der Gemeinschaft: Und wie wir an diesem Sonntag musiziert hätten! An Kantate, dem Sonntag der Kirchenmusik, hätten wir den einhundertsten Geburtstag unserer Kantorei gefeiert: mit Orgel, Posaunen und natürlich Chorgesang.

Das Jubiläum holen wir nach. Im Moment ist es noch nicht die Zeit für befreiendes Miteinandersingen, wie sehr ich mir das auch wünschen würde: gemeinsam alles hinaussingen, was uns gerade bedrückt. Und so greife ich in der Zwischenzeit zu Gitarre und Liederbuch. Oder ich lasse mich tragen von den Abendgesängen von Fenstern und Balkonen.

Musik ist mein ganz persönlicher Seelentröster: Sie macht mich glücklich und auch dankbar. Ohne Musik würde ich es ganz sicher nicht durch die aktuelle Krise schaffen.

Und mit jedem Tag verstehe ich mehr, warum die Älteren unter uns Paul Gerhardts Lieder wie einen Goldschatz hüten: Paul Gerhardt ist ein Meister darin mit fröhlichen Melodien und hoffnungsvollen Texten das Vertrauen herbeizusingen, auch wenn die Welt scheinbar am Abgrund steht.

Und so stimme ich ein:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön / dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. / Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, so lang ich leben werd.

Du meine Seele, singe, Strophe 1

Pfarrer Bastian Müller

Eine gute Nachricht – Nr. 14: Neues entsteht

Eine gute Nachricht – Nr. 14: Neues entsteht

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Jubilate! Jubelt – „das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17b) So klingt es uns an diesem Sonntag fröhlich entgegen. Und normalerweise können wir problemlos in diesen Jubel einstimmen: kurz nach Ostern, Anfang Mai, „geh aus mein Herz und suche Freud“ auf den Lippen, der Blick in die wieder neu belebte, blühende Natur gerichtet. Neues ist! Halleluja!

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

2. Korinther 5,17

Dieses Jahr sieht das ganz anders aus: kurz nach Ostern, Anfang Mai. Eigentlich hätten wir an diesem Wochenende Konfirmation gefeiert. Seit fast einem Jahr steht dieser Termin in den Kalendern, seit langem wird daraufhin geplant: mit wem wollen wir feiern, wo wollen wir essen, was wollen wir schenken?

All diese Überlegungen sind in diesem Jahr hinfällig. Wann und wie wir konfirmieren … es steht in den Sternen, wie so vieles andere gerade auch. So vieles, das „schon immer so war“, auf das wir uns lange gefreut haben, das wir eingeplant hatten, in unseren Jahresplan … verschoben oder ganz abgesagt. Und wir merken: so gut finden wir das gar nicht, das Altes vergeht, denn wir haben es lieb gewonnen, es ist uns ans Herz gewachsen, es gibt uns Sicherheit. Und das wollen wir nicht aufgeben – eigentlich nie – gerade jetzt nicht, wo alles unsicher und chaotisch ist. Altes vergeht. Einfach, weil es unter den aktuellen, neuen Bedingungen nicht mehr „einfach so weitergehen kann, wie es bisher immer war“. Und das ist traurig und schmerzlich.

Neues entsteht. Unaufhaltsam, überall dort, wo Altes vergeht und Räume hinterlässt, die jetzt neu gefüllt werden müssen, ja dürfen. An so vielen Stellen müssen längst vergessen geglaubte Fragen neu beantwortet werden: Was trägt mich wirklich? Was brauche ich, um mich gehalten zu wissen? Was kann ich selber anbieten, um Gemeinschaft sichtbar und spürbar zu machen? Und für all das gibt es noch keine Regeln und noch keine Grenzen … noch kein … „aber das haben wir doch noch nie so gemacht!“ Statt dessen gibt es in diesem chaotischen und völlig verrücktem Jahr 2020 ganz viel „Hey! Das haben wir noch nie so gemacht! Lass uns das mal ausprobieren!“

Altes vergeht … Neues entsteht … und wir sind ein Teil davon, ganz egal, ob wir 14 Jahre alt und fast konfirmiert oder 80 und schon immer Kerngemeindeglied sind. Egal, ob wir schon immer gerne mit vorne dabei waren und unsere Ideen in den Raum geworfen haben, oder ob wir uns eigentlich lieber im Hintergrund gehalten haben. Neues entsteht! Jubilate! Jubelt!

Pfarrerin Jana Menke

Eine gute Nachricht – Nr. 13: Der grüne Zipfelfalter

Eine gute Nachricht – Nr. 13: Der grüne Zipfelfalter

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Der grüne Zipfelfalter, auch Callophrys rubi genannt, ist der Schmetterling des Jahres 2020. Und – er ist eine wundervolle Schöpfung. Obwohl er quietschgrüne Flügel hat, gehört er zur Familie der Bläulinge. Im Frühjahr und Sommer schwebt er durch unsere lichten Wälder und ist herrlich anzusehen. Von Sonnenstrahlen erfasst, ist er im Flug durch seine Farbe gut zu erkennen. Doch ruht der grüne Zipfelfalter aus, ist er zwischen Pflanzen und Blättern perfekt getarnt und von einem Blatt kaum zu unterscheiden.

Obwohl dieser Schmetterling weit verbreitet ist, geht sein Bestand immer weiter zurück. Sein Lebensraum ist vom Menschen bedroht. Und so ist diese Schöpfung wundervoll und zerbrechlich zugleich.

Die Natur bricht sich gerade mit unglaublicher Wucht Bahn und vertreibt die letzten kahlen Stellen des Winters. Es summt und brummt, blüht und grünt, flattert und schwebt. Und wir Menschen genießen die Wonnen des Frühlings, vermutlich viel mehr, als in den vergangenen Jahren.

Wir suchen Zuflucht in der Natur. Und wir verstehen im Moment vielleicht besonders gut, was es bedeutet, bedrohte Schöpfung zu sein: wundervoll und zerbrechlich zugleich.

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

Mose 1,31

Hoffentlich erinnern wir uns, dann, wenn die Krise einst vorbei ist: Wie wundervoll und doch zerbrechlich Gottes Schöpfung ist: der gründe Zipfelfalter, der Mensch und noch so manches Wunder.

Pfarrer Bastian Müller

Eine gute Nachricht – Nr. 12: Spiegel zur Hand?

Eine gute Nachricht – Nr. 12: Spiegel zur Hand?

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Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel gucken?! Gehören Sie zu denen, denen sofort all das auffällt, was sie nicht besonders an sich leiden können? Zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, die vielen grauen Haare, oder beginnende Geheimratsecken, tiefe Sorgenfalten, Augenringe, …

Viele von uns gucken sich ja selber nicht so gerne so genau an. Aber tun Sie es doch jetzt trotzdem mal. Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel gucken? Die Lachfalten, das Glitzern in den Augen, die frechen Sommersprossen, die perfekt sitzende Brille, die genau richtige Haarfarbe …

Sehen Sie?! Gar nicht so übel, oder?! Schauen Sie ihn sich ruhig noch ein bisschen an, diesen Menschen. Mit all dem, was ihn besonders macht, mit den Narben und Kratzern, den grauen Haaren und den Sorgenfalten, mit dem ansteckenden Lachen, dem Glitzern in den Augen und der Nase mitten im Gesicht.

So wunderbar ist er gemacht, dieser Mensch, den Sie da sehen. Von Gott gebildet im Mutterleib, von Gottes Augen gesehen, noch bevor er überhaupt einen seiner Tage gelebt hat. Gott ist für diesen Menschen selber Mensch geworden, hat am Ende sogar den Tod besiegt. Durchs ganze Leben begleitet Gott diesen Menschen, wie ein guter Hirte, über saftige Auen genauso wie durch dunkle Täler.

Sehen Sie?! Ich glaube, dieser Mensch lächelt gerade!

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!






Psalm 23,1

Pfarrerin Jana Menke

Eine gute Nachricht – Nr. 11: Mindesthaltbarkeitsdatum

Eine gute Nachricht – Nr. 11: Mindesthaltbarkeitsdatum

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Das Bundesministerium für innere Sicherheit empfiehlt: Im Falle einer Katastrophe kann es sein, dass Lebensmittel schwerer zu bekommen sind. Sorgen Sie daher für einen ausreichenden Vorrat an haltbaren Lebensmitteln:

Brot – Mindesthaltbarkeitsdatum eine Woche, Frischmilch – 7 bis 10 Tage, Eier – drei Wochen, meist noch länger, daran riechen hilft; Käse – drei Wochen, Mehl – ein bis zwei Jahre bei trockener Lagerung, Marmelade – zwei bis drei Jahre, sauer eingemachtes Gemüse – 5-10 Jahre, für Tapfere auch noch darüber hinaus; Hülsenfrüchte wie Linsen – bei richtiger Lagerung bis zu 30 Jahre.

Ein langes Mindesthaltbarkeitsdatum kann im Moment eine beruhigende Wirkung auf uns haben.

Was sich im Moment nicht so lange hält: Prognosen, wie unser Leben in den nächsten Tagen und Wochen aussehen wird. Positive Entwicklung der Fallzahlen: kann nächste Woche schon wieder anders aussehen. Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen im Mai: noch mit Vorsicht zu genießen. Eine Urlaubsreise im August: vielleicht, vielleicht auch nicht. Für solche Vorhersagen gibt es im Moment kein Mindesthaltbarkeitsdatum.

Gut, dass es auch Dinge gibt ohne Mindesthaltbarkeitsdatum: Das geheime Familienrezept meiner Oma – fast 100 Jahre. Der Mond ist aufgegangen – 241 Jahre. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ (Psalm 23,1) Über 2500 Jahre und immer noch frisch wie am ersten Tag.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Psalm 23,1

Pfarrer Bastian Müller

Eine gute Nachricht – Nr. 10: Meine Zeit

Eine gute Nachricht – Nr. 10: Meine Zeit

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Wissen Sie noch, welcher Tag heute ist? Vielleicht sogar, welches Datum? Beeindruckend! An den meisten Tagen muss ich im Moment wenigstens kurz nachdenken, um diese Fragen beantworten zu können.

Das klingt fast nach Urlaub, nach entspannter und erholsamer Zeit, auf die man sich lange gefreut hat und die dann oft viel zu schnell vorbeigeht.

Ganz anders, als es sich für die meisten von uns gerade wohl anfühlt. Unsere aktuelle Zeit ist weder so richtig entspannt, noch erholsam. Niemand hat sie herbeigesehnt und ein Ende ist noch gar nicht absehbar.

Manchmal fühlt es sich richtig gut an. Ich habe mich eingefunden in die aktuelle Situation und kann mich einigermaßen entspannt darin bewegen. Alles hat seine Zeit! Und nun ist eben die Zeit, zu Hause zu bleiben, den Terminkalender links liegen zu lassen, Bekanntes zu überdenken, Neues auszuprobieren.

Manchmal überwiegen die negativen Gefühle. Ja, alles hat seine Zeit und jede Zeit hat ihren eigenen Wert, aber es ist anstrengend und nervig und frustrierend, dass ich nicht so frei denken, handeln und planen kann, wie ich es bisher gewöhnt war.

Manchmal klingen sie laut bis zu mir, die Sätze, die Kohelet vor tausenden von Jahren gesprochen hat:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. … Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.

Kohelet 3,1.9

Manchmal muss ich dann kurz konzentriert nachdenken, um auch die anderen, gerade sehr viel leiseren, aber so viel tröstlicheren Worte zu hören.

Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.

Psalm 31,15-16a

Worte die wirken! Gott sei Dank!

Pfarrerin Jana Menke

Eine gute Nachricht – Nr. 9: Such mich

Eine gute Nachricht – Nr. 9: Such mich

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„7, 8, 9, 10 … ich komme. Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein.“ Ich mache mich auf die Suche durch die Wohnung. Der Gesuchte steht im Wohnzimmer in einer Ecke. Beide Hände hält er vor die Augen. So einfach geht verstecken. Augen zu und schon ist das Kind verschwunden!

Ich sehe unter dem Sofakissen nach und rufe: „Unter dem Kissen bist du nicht.“ Es kichert in der Ecke. Ich sehe unter dem Tisch nach und rufe: „Unterm Tisch bist du ja auch nicht.“ Es macht Piep in der Ecke. Ich stelle mich direkt vor den Knirps und rufe: „Wo bist du denn nur?“ Er antwortet und lacht: „Du sieht mich nicht! Ich bin unsichtbar!“

Was ich nicht sehe, das ist auch nicht da. Ganz schön praktisch, wenn das funktioniert! Chaos im Büro: Ich schließe die Tür und das Chaos ist verschwunden. Aus den Augen aus dem Sinn. Der Bart ist zu lang und ich habe keine Lust auf Rasieren: Einfach nicht in den Spiegel schauen. Sieht mich im Moment ja sowieso niemand im Homeoffice. Blick in den Kalender: In zehn Minuten ist eine Videokonferenz. Ich rasiere mich doch mal lieber.

Was ich nicht sehe, das gibt es auch nicht, – wenn es doch nur so einfach wäre! Umgekehrt betrachtet: Es hat auch etwas Gutes, dass Dinge sich nicht einfach in Luft auflösen.

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!




Johannes 20,29

Wie gut, dass Dinge nicht einfach verschwinden, wenn wir sie nicht sehen. Wir können darauf vertrauen, dass sie immer noch da sind: Unsere Freunde, unsere Familie unsere Kirchengemeinde. Die sind auch dann noch für uns da, wenn wir sie gerade nicht sehen oder treffen können.

Und Gott? Ist der auch da, auch wenn wir ihn nicht sehen? – Ich werde angestupst und es ruft aus der Ecke: „Hier bin ich! Du hast mich gefunden!“

Pfarrer Bastian Müller

Eine gute Nachricht – Nr. 8: Christ ist erstanden

Eine gute Nachricht – Nr. 8: Christ ist erstanden

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Endlich Ostern! Ich kann mich nicht erinnern, mich schon jemals so auf diesen Tag gefreut zu haben. Dabei markiert der Termin, wenn wir mal ehrlich sind, nicht einmal in diesem Jahr einen wirklich entscheidenden Einschnitt in die aktuelle Gesamtsituation. Schulen und Kindergärten bleiben mindestens noch eine weitere Woche zu und auch die Regeln des täglichen Miteinanders bleiben von diesem Tag unberührt.

All die Fragen, der Zweifel und die Sorgen, die uns durch die Zeit begleiten, verschwinden nicht über Nacht.

Nur mühsam scheint sich das Licht des leeren Grabens durch das diffuse Dunkel des diesjährigen Ostermorgens zu kämpfen.

Schauen wir mal zurück, knapp 2000 Jahre, das erste Mal Ostern: Für Jesu Freunde stand in diesen Tagen die Welt Kopf: Ihr Freund, ihr Lehrer, die Person, für die sie alles aufgegeben hatten und mit so viel Hoffnung gefolgt waren, hatte seine Feinde nicht glorreich besiegt, sondern sich ihnen ausgeliefert. Er hatte den Tod in Kauf genommen, sich aber nicht von ihm aufhalten lassen.

Unvorstellbares war passiert: Das Grab war leer … und Jesus nicht bei den Toten, sondern bei den Lebenden zu suchen! So viele Fragen, so viele Zweifel, so viel bleibende Ungewissheit … nur mühsam kämpft sich das Licht des leeren Grabes durch das diffuse Dunkel des ersten Ostermorgens.

Endlich Ostern! Und wieder einmal hat dieser Tag nicht alles gut gezaubert. Wieder einmal bleiben Fragen und Sorgen und Zweifel, ungerührt von diesem Termin, bestehen. Und wieder einmal scheint das Licht des leeren Grabes in das diffuse Dunkel der Zeit: Nach der Nacht kommt ein neuer Tag, der Tod ist überwunden, das Leben hat gesiegt. Gottes Liebe ist größer als all unsere Vorstellungskraft:

Christ ist erstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!




Pfarrerin Jana Menke

Eine gute Nachricht – Nr. 7: Schau auf das Kreuz

Schau auf das Kreuz

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Karfreitag: Ein Tag, der uns auffordert, dorthin zu sehen, wo niemand hinsehen will, wovon auch wir lieber unsere Augen abwenden. Wenn wir uns auf Karfreitag einlassen, dann hören wir seine Aufforderung deutlich: „Schau auf das Kreuz! Schau dorthin, wo gelitten, geweint, geschrien, gestorben wird. Verschließ die Augen nicht, setze dich aus!“

Wir schauen hin auf das Kreuz und erahnen vielleicht mehr als wir ihn wirklich sehen, den einen Menschen, der leidet. Jesus, der am Kreuz gelitten, geschwiegen, geschrien hat … der am Kreuz gestorben ist.

Wir schauen hin auf das Kreuz und denken an die vielen Menschen in unserer Zeit, die leiden. Menschen, die kein zu Hause haben. Menschen, die vor Gewalt und Zerstörung fliehen. Menschen, die an der aktuellen Situation und der damit verbundenen Unsicherheit zugrunde gehen.

Und vielleicht erkennen wir beim Blick auf das Kreuz auch uns selbst. Mit all dem, was uns belastet und uns das Leben schwer macht: unsere Not und unsere Angst, unsere Widersprüche, unsere Dunkelheit, unsere Fragen und Zweifel.

„Schaut hin!“ ruft es uns – überhörbar an Karfreitag – vom Kreuz aus entgegen. „Seht es euch an, all das Leid und das Elend, das der Welt und euer eigenes! Schaut genau hin: seht ihr das? All das, was euch verzweifeln lässt, was euch schreien, wütend und schweigen lässt, es hat hier einen Platz … bei mir! Es ist aufgehoben, hier an diesem seltsamen Ort zwischen Himmel und Erde. Niemand muss es alleine ertragen.“

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!




Matthäus 11,28

Pfarrerin Jana Menke

Eine gute Nachricht – Nr. 6: Hätten wir´s gewusst?

Eine gute Nachricht – Nr. 6: Hätten wir´s gewusst?

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Hätte er es doch nur gewusst. Er muss eine ganze Weile überlegen, wie lange es nun schon her ist: ihr letztes Treffen, als sie gemütlich in großer Runde beieinander saßen. Seit dem sind nur wenige Tage vergangen. Aber es kommt ihm vor, als wäre es schon Monate. Ihm wird ganz schwermütig ums Herz, wenn er daran denkt. Er sehnt sich zurück an die unbeschwerte Gemeinschaft.

Hätte er es doch nur gewusst, dass es das letzte Treffen ist. Er erinnert sich: An die Sätze, die er gesprochen hat. Jetzt, so kommt ihm, hätte er manchen Satz lieber nicht gesprochen. So manche Belanglosigkeit lieber nicht erzählt. Dafür gesagt, was ihm wirklich wichtig ist, was ihm durchs Herz geht. Und noch viel wichtiger: Er hätte für Manches um Verzeihung gebeten. Hätte Petrus es doch nur gewusst.

Anders als Petrus wusste Jesus, dass es ihr letztes Treffen sein würde. Er versammelt Petrus und die anderen Jünger für ein letztes Mahl um sich.

Und er nahm das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird!


Lukas 22,19f.

Hätten wir´s gewusst? Dass wir zum ersten Mal seit Generationen am Gründonnerstag kein Abendmahl miteinander feiern? Dass wir – nur Gott weiß wie lange – nicht mehr zum Gottesdienst zusammen kommen werden?

Doch eines wissen wir: Wir sind und bleiben beieinander in Jesus Christus: über Schranken, Selbstbeschränkung und Kontaktreduzierung hinweg. Eines wissen wir: Wir sind und bleiben beieinander: wenn wir aneinander denken, füreinander beten, wenn wir zu Füller und Briefpapier, zum Telefonhörer greifen, wenn wir einander Hilfe anbieten.

Hätten wir´s gewusst? Wir sind und bleiben beieinander in Jesus Christus.

Pfarrer Bastian Müller