Eine gute Nachricht

Pfarrerin Jana Menke und Pfarrer Bastian Müller mit einer guten Nachricht für uns.

Eine gute Nachricht – Nr. 5: Jetzt wird alles gut?

Eine gute Nachricht – Nr. 5: Jetzt wird alles gut?

kurze Andachten zum Lesen und Hören

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“Halleluja! Jetzt wird endlich alles gut!“ Jesus zieht in Jerusalem ein und die Menschen strömen zusammen. Palmenzweige werden geschwungen, Kleidung bedeckt den Boden, so viel Freude, so viel Erleichterung, so viel Hoffnung, unüberhörbar:

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt, im Namen des Herrn!

Markus 11,9

Gesundheit? Glück? Zufriedenheit? Arbeit? Ansehen? Macht? Genug zu Essen? Ein Dach über dem Kopf? Ruhe und Frieden? All das und wahrscheinlich noch viel viel mehr wünschen und erhoffen sich die Menschen von dem einen, von dem, der da kommt, von dem, von dem sie schon so viel gehört haben: Wunderbares und Wundersames.

Und jetzt ist er da. Endlich einer, für den es ein Leichtes ist, dafür zu sorgen, dass jetzt wirklich alles gut wird.

Dass alles gut wird, wie sehr hoffen auch wir im Moment darauf. Warten auf jemanden, der eine einfache Erklärung liefert für all das, was gerade passiert. Auf jemanden, der eine schnelle, unkomplizierte Lösung parat hat – ein Wunder meinetwegen auch – so dass endlich alles wieder wird, wie wir es gewohnt waren. Wer diesen jemand finden will, muss nicht lange suchen. An allen Ecken und Enden sprießen sie aus dem Boden, die Verschwörungstheorien und Erklärungen, die Schutzmöglichkeiten und Heilsversprechungen – je abstruser, desto besser, möchte man manchmal meinen.

Gottes Weg mit uns Menschen ist selten so einfach und unkompliziert, wie wir es gerne hätten. Nur selten erfüllt er unsere Wünsche und unsere Erwartungen – das haben schon die Menschen damals in Jerusalem in kurzer Zeit deutlich gemerkt.

Gott räumt uns nicht alle Steine aus dem Weg, er ebnet weder jeden steilen Anstieg unseres Lebens, noch flutet er jede uneinsichtige Kurve mit Licht. Gott läuft uns nicht helikopternd voraus, er geht unseren Weg mit uns mit. Über saftige Auen genau so wie durch tiefe Täler und dunkle Schluchten. Sein Weg mit uns macht nicht einmal vor dem Kreuz halt. Er ist da wo wir ihn brauchen, wenn auch nicht immer so, wo wir es uns wünschen.

Pfarrerin Jana Menke

Eine gute Nachricht – Nr. 4: Guck doch mal

Eine gute Nachricht – Nr. 4: Guck doch mal

kurze Andachten zum Lesen und Hören

Hören

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„Mama, guck doch mal!“ wie oft ich diesen Satz höre … oft mehrmals am Tag. „Guck doch mal! Guck doch mal, was ich kann, was ich gemacht habe, was ich gefunden habe! Guck doch mal!“

Kinder blicken auf eine besondere Weise auf ihre Welt. Was sie sehen, was sie wahrnehmen, ist genau in diesem Moment wichtig, wichtiger als alles andere. Es will jetzt gesehen und gezeigt werden, alle Aufmerksamkeit hat darauf zu ruhen.

Im normalen Alltag gucke ich oft nicht so genau hin. Zu oft muss ich meinen Blick eh schon zwischen viel zu vielen einzelnen Sachen hin und herwandern lassen, brauche meine Aufmerksamkeit um alles im Blick zu behalten. Und nicht selten ist mein Augenmerk auch konzentriert nach vorne gerichtet, auf das Ziel. Dann ist überhaupt keine Zeit um nach links oder rechts zu sehen, geschweige denn, anzuhalten und mal richtig hinzugucken. Den Blick auf das Große Ganze gerichtet, der Kindern oft zu fehlen scheint.

Jetzt gerade ist Vieles anders als sonst, unsere Tage sind nicht mehr so strukturiert, wie wir es gewöhnt waren, vieles, was uns bis vor kurzem noch völlig selbstverständlich war, uns vielleicht sogar genervt hat, nicht mehr möglich. Wichtigkeiten verschieben sich, bisher Verborgenes rückt in den Vordergrund, manches muss wohl oder übel neu betrachtet werden. Was gerade passiert, zwingt uns, stehen zu bleiben und den Blick schweifen zu lassen – im übertragenen wie auch im wortwörtlichen Sinne.

Guck doch mal: Erste Knospen an Büschen und Bäumen, an manchen Stellen macht sich schon zartes Grün bemerkbar. An vielen Stellen blühen schon die Blumen, gelb, lila, weiß, angelockt von den immer wärmer werdenden Sonnenstrahlen, die auch uns ins Gesicht scheinen. Wind weht durch die Haare, Vögel ziehen am Himmel ihre Kreise, es zwitschert, quackt und schnattert.

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut.





1. Mose 1,31

Guck doch mal, Mensch!

Pfarrerin Jana Menke

Eine gute Nachricht – Nr. 3: Draussen vor der Tür

Eine gute Nachricht

Nr. 3: Draußen vor der Tür

miteinander verbunden bleiben – auch wenn wir uns nicht sehen

auch zum Hören

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.



Hebräer 13,12-14

„Los, raus mit euch! Raus, vor die Tür, raus aus dem Schutz der eigenen vier Wände und los … mitten hinein, dorthin wo das Leben tobt und das Leiden sichtbar und spürbar ist!“

Ganz ehrlich … nach 2 Wochen #stayathome und #socialdistancing würde ich nichts lieber tun, als diesem Ruf aus dem heutigen Predigttext mit großer Begeisterung Folge zu leisten. Raus vor das Tor … doch Stopp!

Wir sind aufgerufen, eben gerade nicht nach draußen zu gehen, zumindest nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Und das normale Leben, es tobt auch ganz sicher nicht draußen vor der Tür … höchstens vielleicht drinnen bis zur Tür. Und Schmerz und Leid … dafür müssen wir uns nicht nach draußen bewegen, beides ist sichtbar und spürbar genau an dem Ort, an dem wir gerade stehen. Natürlich sieht das für jede und jeden von uns ein bisschen anders aus und doch verbindet uns, glaube ich, eine allgemeine, schmerzlich wahrnehmbare Unsicherheit: Wie lange wird die aktuelle Situation noch so weitergehen? Wird es am Ende vielleicht noch schlimmer werden? Was wird sein, wenn sich alles wieder normalisiert hat? Was wird aus meiner Ausbildung, aus diesem Schuljahr, aus meinem Job … aus der Wirtschaft überhaupt?!

Ohne uns bewegt zu haben, stehen wir schon genau dort, wo der Bibeltext uns haben will. In unseren eigenen vier Wänden und doch draußen vor dem Tor. Außerhalb dessen, was uns normalerweise Schutz und Sicherheit bietet. Dort, wo das Leben nicht planbar und nicht vorhersehbar ist. Dort, wo man sich jeden Tag aufs neue mit der Unperfektheit arrangieren muss. Dort, wohin Jesus gegangen ist. Als Erster und ohne Einschränkungen: mit Zöllnern gegessen, Sündern vergeben, Kranke gesund gemacht, Ausgestoßene zurückgeholt, Weinende getröstet, Fragenden zugehört, Unsicherheit ausgehalten.

Lassen wir Jesus herein zu uns, auf unsere Seite der Tür, in unsere vier Wände, dort wo das Leben tobt und das Leiden sichtbar und spürbar ist!

Pfarrerin Jana Menke

Eine gute Nachricht – Nr. 2: Soweit die Wolken ziehen

Eine gute Nachricht

Nr. 2: Soweit die Wolken ziehen

miteinander verbunden bleiben – auch wenn wir uns nicht sehen

auch zum Hören

Die Sonne scheint, ein paar wenige Wolken hängen wie Wattebäusche am Himmel, drei Vögel ziehen langsam vorbei. Lautlos für uns, mit kräftigem Flügelschlag, majestätisch gegen das unendliche Blau des Himmels. Meine Augen folgen ihnen, immer weiter und weiter, bis sie verschwinden am Horizont, aus meinem Blickfeld hinaus, weiter auf ihrem Weg, frei wie der Wind.

Mein Blick schweift über die menschenleeren Straßen. Wie froh ich bin, dass sich hier so viele Menschen an die Regeln halten, zu Hause bleiben und somit sich und andere schützen.

Und doch ergreift mich ein mulmiges Gefühl. So viel Leere. Verschlossene Türen, dunkle Fenster, kaum Bewegung, kein Lärm, zumindest nicht der, der normalerweise von einem Ort ausgeht, an dem Menschen aufeinander treffen, an dem Menschen ihrem Alltag nachgehen, an dem Menschen leben. So viele Einschränkungen, so viel Enge trotz dem vielen Platz, den wir tatsächlich gerade haben.

Mein Blick schweift nach drinnen. Hier sieht es sicher bei jedem anders aus. So viel Ruhe wie draußen? Zu viel Ruhe? Zu viel Raum, zu viel Zeit, zu viel Platz für Gedanken und Fragen und Sorgen, die ungehört an den Wänden abprallen?

Oder zu viel Lärm? Zu viel Nähe zu den anderen Menschen, die jetzt diesen Raum mit mir teilen, die allesamt auch nicht wissen, wohin mit ihren Gefühlen. Zu viel Arbeit, die erledigt werden will, während die Gedanken kreisen? Zu viel Kind, das beschäftigt und abgelenkt werden will? Zu viel Aufgaben, die nach Aufmerksamkeit schreien? Zu viel für den Raum, der uns momentan für unser Leben gegeben ist?!

Wo können wir hin mit all unserem zu viel und zu wenig, mit der Sehnsucht nach Freiheit und dem Wunsch nach Geborgenheit?

Wo können wir hin mit unseren engen Grenzen? Mit unserer kurzen Sicht und unserer Ohnmacht? Mit unserem verlornen Zutraun und mit unserer Sehnsucht nach Geborgenheit?

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist und deine Wahrheit, soweit die Wolken ziehen!

HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist und deine Wahrheit, soweit die Wolken ziehen!

Psalm 36,5

Pfarrerin Jana Menke

Eine gute Nachricht – Nr. 1: Ich will dich trösten

Eine gute Nachricht

Nr. 1: Ich will dich trösten

miteinander verbunden bleiben – auch wenn wir uns nicht sehen

auch zum Hören

„Aua!“ dicke Tränen laufen dem kleinen Mädchen über das Gesicht. Die Füße waren zu schnell, es ist über einen Stock gestolpert und der Länge nach auf dem Boden gelandet. Mit zitternder Unterlippe hält es seine dreckigen aufgeschrabbten Hände seiner Mama entgegen. Sofort nimmt sie es auf den Arm, wiegt es tröstend hin und her, wischt vorsichtig mit einem Taschentuch über die Finger. Aua, Aua! Die Mama streichelt dem Kind über den Rücken, immer und immer wieder. Langsam ebbt das laute Klagen ab, nur noch ein leises Schluchzen und dann ist alles wieder gut. Das Mädchen lacht, springt vom Arm seiner Mutter und düst los, bereit für das nächste Abenteuer.

In den Arm genommen werden, sich anlehnen und einfach den Tränen freien Lauf lassen können, bis die Trauer oder die Wut oder der Schmerz verflogen ist. Keine Fragen und keine Vorwürfe, keine Erklärungsversuche und keine aktionistischen Hilfsangebote. Einen Ort haben, an dem man einfach nur mal sein kann – Kinder erleben das zum Glück noch häufig, aber auch als Erwachsene brauchen wir das immer mal wieder: Echten Trost. Trost, der mit aushält und uns die Pause gibt, die wir brauchen um danach wieder ins nächste Abenteuer aufzubrechen.

Schon lange lange vor uns brauchten die Menschen diese Art von Trost. Wiedergekehrt aus dem Exil müssen die Israeliten ihr Leben zwischen den Trümmern ihrer alten Heimat Jerusalem wieder neu beginnen. Das war wirklich ein heftiger Sturz, den sie da erlitten hatten. Verschleppt nach Babylon, der eigenen Freiheit beraubt, fremden Herrschern, fremden Sitten und fremdem Glauben unterworfen. Völlig aus der Bahn geworfen, ein Ende dieses Zustandes lange nicht im Blick und immer wieder die Frage: Was soll aus uns werden? Träumen und hoffen wir weiter oder fügen wir uns und gehen in der Fremde auf?

Und dann, passiert doch das Unerwartete: die Israeliten dürfen zurück nach Jerusalem. Das Exil hat ein Ende … Freiheit … Normalität. Naja, ein bisschen näher dran an der Normalität zumindest. Denn in der zerstörten Stadt war an allen Ecken und Enden noch die Vergangenheit zu spüren, der Schmerz sichtbar, die Zukunft ungewiss.

Und in all das hinein die Worte des Propheten Jesaja:

„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Jesaja 66,13

Sie klingen aus der chaotischen Situation der Israeltiten bis herüber ins hier und jetzt. Die Sehnsucht, auf die der Prophet hier reagiert, können wir aktuell vermutlich so gut nachvollziehen, wie schon lange nicht mehr. Wir kommen nicht aus dem Exil in eine zerstörte Heimat und dennoch hat sich unsere Welt in den letzten Tagen in kürzester Zeit völlig auf den Kopf gestellt. Wir trauern um all das, was jetzt nicht mehr stattfinden kann, wir haben Angst vor dem, was da noch auf uns zukommt, um unsere eigene Gesundheit und um die Gesundheit unserer Verwandten und Freunde. Vielleicht sind wir auch wütend beim Blick auf die aktuelle Situation.

Und in all dem mal den Kopf bei jemandem anlehnen, all seinen Gefühlen freien Lauf lassen, Kraft tanken um weiter zu machen, wie gut das täte. Manchmal haben wir so jemanden schon, manchmal sind wir auch selber dieser jemand für einen anderen. Immer gilt dieser Satz Gottes, so viele tausend Jahre alt er auch ist, auch uns:

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“

Pfarrerin Jana Menke