Eine gute Nachricht – Nr. 1: Ich will dich trösten

Eine gute Nachricht

Nr. 1: Ich will dich trösten

miteinander verbunden bleiben – auch wenn wir uns nicht sehen

auch zum Hören

„Aua!“ dicke Tränen laufen dem kleinen Mädchen über das Gesicht. Die Füße waren zu schnell, es ist über einen Stock gestolpert und der Länge nach auf dem Boden gelandet. Mit zitternder Unterlippe hält es seine dreckigen aufgeschrabbten Hände seiner Mama entgegen. Sofort nimmt sie es auf den Arm, wiegt es tröstend hin und her, wischt vorsichtig mit einem Taschentuch über die Finger. Aua, Aua! Die Mama streichelt dem Kind über den Rücken, immer und immer wieder. Langsam ebbt das laute Klagen ab, nur noch ein leises Schluchzen und dann ist alles wieder gut. Das Mädchen lacht, springt vom Arm seiner Mutter und düst los, bereit für das nächste Abenteuer.

In den Arm genommen werden, sich anlehnen und einfach den Tränen freien Lauf lassen können, bis die Trauer oder die Wut oder der Schmerz verflogen ist. Keine Fragen und keine Vorwürfe, keine Erklärungsversuche und keine aktionistischen Hilfsangebote. Einen Ort haben, an dem man einfach nur mal sein kann – Kinder erleben das zum Glück noch häufig, aber auch als Erwachsene brauchen wir das immer mal wieder: Echten Trost. Trost, der mit aushält und uns die Pause gibt, die wir brauchen um danach wieder ins nächste Abenteuer aufzubrechen.

Schon lange lange vor uns brauchten die Menschen diese Art von Trost. Wiedergekehrt aus dem Exil müssen die Israeliten ihr Leben zwischen den Trümmern ihrer alten Heimat Jerusalem wieder neu beginnen. Das war wirklich ein heftiger Sturz, den sie da erlitten hatten. Verschleppt nach Babylon, der eigenen Freiheit beraubt, fremden Herrschern, fremden Sitten und fremdem Glauben unterworfen. Völlig aus der Bahn geworfen, ein Ende dieses Zustandes lange nicht im Blick und immer wieder die Frage: Was soll aus uns werden? Träumen und hoffen wir weiter oder fügen wir uns und gehen in der Fremde auf?

Und dann, passiert doch das Unerwartete: die Israeliten dürfen zurück nach Jerusalem. Das Exil hat ein Ende … Freiheit … Normalität. Naja, ein bisschen näher dran an der Normalität zumindest. Denn in der zerstörten Stadt war an allen Ecken und Enden noch die Vergangenheit zu spüren, der Schmerz sichtbar, die Zukunft ungewiss.

Und in all das hinein die Worte des Propheten Jesaja:

„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Jesaja 66,13

Sie klingen aus der chaotischen Situation der Israeltiten bis herüber ins hier und jetzt. Die Sehnsucht, auf die der Prophet hier reagiert, können wir aktuell vermutlich so gut nachvollziehen, wie schon lange nicht mehr. Wir kommen nicht aus dem Exil in eine zerstörte Heimat und dennoch hat sich unsere Welt in den letzten Tagen in kürzester Zeit völlig auf den Kopf gestellt. Wir trauern um all das, was jetzt nicht mehr stattfinden kann, wir haben Angst vor dem, was da noch auf uns zukommt, um unsere eigene Gesundheit und um die Gesundheit unserer Verwandten und Freunde. Vielleicht sind wir auch wütend beim Blick auf die aktuelle Situation.

Und in all dem mal den Kopf bei jemandem anlehnen, all seinen Gefühlen freien Lauf lassen, Kraft tanken um weiter zu machen, wie gut das täte. Manchmal haben wir so jemanden schon, manchmal sind wir auch selber dieser jemand für einen anderen. Immer gilt dieser Satz Gottes, so viele tausend Jahre alt er auch ist, auch uns:

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“

Pfarrerin Jana Menke

Corona-Pandemie

Bis auf weiteres (Stand: März 2020) finden keine öffentlichen Veranstaltungen, Versammlungen und Gottesdienste statt. Das gleiche gilt für Gruppen und Kreise.