Eine gute Nachricht – Nr. 17: Weil beten doch hilft

kurze Andachten zum Lesen und Hören

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Vor Jahren habe ich ein Plakat gesehen, dass mir nicht mehr aus dem Sinn geht. Auf dem Plakat ist das Foto eines kleinen Mädchens zu sehen. Es sitzt zu Tisch. Vor ihm ein Teller mit einer prächtigen Wurst. Das Kind hat die Augen fest geschlossen und die Hände zum Gebet gefaltet. Es schickt seinen Dank für das köstliche Essen an Gott. Und, während das Kind mit geschlossenen Augen andächtig sein Tischgebet spricht, schnappt der Familienhund die Wurst vom Teller weg. – „Weil beten nicht hilft“ steht daneben in weißen Lettern auf rotem Grund und darunter die Werbung für eine Arbeiterbewegung.

Ich muss gestehen: Die Pointe amüsiert mich. Aber das Plakat macht mich auch nachdenklich: Hilft beten wirklich nicht? Ist beten am Ende nur ein psychologischer Trick, ein Selbstbetrug, um besser mit den Problemen des Lebens klar zu kommen?

Wer betet, hat diese Erfahrung gemacht: Oft erfüllt sich nicht, worum ich Gott bitte. Manchmal kommt es sogar noch schlimmer. Wer glaubt, Gebet ist eine Wunscherfüllungsmaschiene, der wird enttäuscht. Hier hat das Plakat mit seiner Botschaft also Recht.

Wer betet, der weiß aber auch: Gebet ist viel mehr als ein Wunschzettel an Gott. Klar, die Sorgen, die lösen sich nicht einfach in Luft auf, wenn ich sie Gott im Gebet anvertraue. Und trotzdem: Die Not lässt sich leichter tragen, wenn ich sie mit Gott teile.

Wer betet, der weiß auch: Ich bin nicht allein! Ich bin Teil einer großen Gemeinschaft. Auch dann, wenn ich daheim still in meinem Kämmerlein bete. Das gibt Kraft – gerade jetzt!

Beten hilft auch, weil es so einfach ist. Es braucht nicht viele Worte, keinen besonderen Ort und keine besondere Zeit. Oft tut es schon ein einfaches Vaterunser.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.

Psalm 66,20

Pfarrer Bastian Müller