Eine gute Nachricht – Nr. 24: Ragu alla bolognese

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Ich versuche mich an einem Rezept eines alten Klassikers. Zwiebeln, Möhren, Sellerie in Olivenöl mit etwas Butter andünsten. Hackfleisch halb und halb dazu, durchbraten, ablöschen, dann noch Tomatenmark und Fond hinzugeben. Zum Schluss Salz und Pfeffer und fertig: Ragu alla bolognese.

Jetzt viel Geduld: Zwei Stunden schmoren. Und schließlich der große Moment: Ich öffne den Deckel, schließe die Augen und probiere einen Löffel. Der Geschmack trägt mich unerwartet über zwei Jahrzehnte zurück in meine Kindheit an einen längst vergessen geglaubten Ort.

Ich sitze mit meiner Familie in unserem Lieblingsrestaurant. Ich erinnere mich an die Deko mit Stuckornamenten, an Netze mit Plastikfischen darin. Ich rieche den besonderen Duft. Und mir fallen all die schönen Momente ein, die wir als Familie dort hatten. Plötzlich ist eine vergessene Erinnerung wieder da.

Ich öffne die Augen und frage mich: Wie konnte ich nur diese schöne Zeit aus meiner Kindheit jemals vergessen? Wie viele Erinnerungen an die Zeit mit meinem Lieben sind noch verloren und vergessen? Weil alles schon so lange her, schon so lange vorbei, die Familie nicht mehr komplett ist?

Ich seufze. Wie tröstlich, dass alles und jeder dennoch aufgehoben ist beim Höchsten. Das Verlorene und Vergessene, die Vergangenen und Vorausgegangenen. Gott sucht und findet: das Schaf, den Groschen, die Sünderin, den Verstorbenen, auch mich. Alle und alles aufgehoben und keinesfalls vergessen bei Gott.

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lukas 19,10

Pfarrer Bastian Müller